Pleroma

Ich fänds ja gut, wenn unsere Medien unseren Politikern das Wort abschneiden würden, wenn sie beim Phrasendreschen bei den Tagesthemen und co die Begriffe "links", "rechts", "Mitte" und "vorne" verwenden, wenn damit keine geographischen Richtungsangaben gemeint sind. Natürlich mit vorheriger Ankündigung.

Was will ein Lindner bspw. konkret sagen, wenn "das Land nicht nach links" rücken oder eine "Politik der Mitte" umgesetzt werden soll?

(Tagesthemen und Lindner mussten jetzt dran glauben, weil ich https://www.tagesschau.de/inland/tagesthemen-lindner-101.html gelesen habe. Das gilt für andere Medien und andere Politiker gleichermaßen)

Diese Begriffe sind mittlerweile so überladen und werden stets als Riesenbündel von Ideen verstanden, als ob es die nur im Paket gäbe. Die Unsitte kenne ich vor allem aus den USA (mit Democrats und Republicans), aber macht sich auch hier breit.

Als Christ wird man in den USA zum Beispiel gleich in die Republicans-Ecke gesteckt und angenommen, dass man gegen Abtreibung, gegen Unterstützung für sozial- oder einkommensschwache Eltern und für Bomben auf Abtreibungsärzte sei - und apropos Bomben, für privaten Besitz von Kriegsgerät und für Menschenrechtsverbrechen in Uniform im Ausland, sofern sie durch Amerikaner begangen werden, und so weiter.

Als "Linker" ist man (wenn ich Lindner, Söder und co richtig verstehe) in Deutschland "offensichtlich" für Verbote, für höhere Steuern, Kinder den Eltern wegnehmen durch Ganztagskitas und so weiter.

Mit solchen Scherenschnittbildern lässt sich m.E. keine konstruktive Politik gestalten und es bleibt beim Wettbewerb, wer seine (heimlich liebgewonnenen) selbstgebastelten Vogelscheuchen (https://de.wikipedia.org/wiki/Strohmann-Argument), die die politische Position von anderen darstellen sollen, am lautesten anschreit.

Durch den bloßen Verzicht auf links/rechts/mitte/vorne/... wäre es immerhin ein wenig schwieriger, sprachlich ein "ihr wisst schon, wen ich meine - die da drüben!"-Paket zu schnüren.
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